Montag, 02.02.2009, 21:27
Finnley ist 2 Jahre, 3 Monate alt
2 Jahre, 7 Monate bis zu Jaspers Geburt
Beidseitiger Frust
Seit ich Finnley um 20 Uhr ins Bett gebracht habe (Yvonne ist beim Nähkurs), will er dies Auto, dann noch das Auto, noch einen Bär, am liebsten noch einen Keks, einen Apfel und dies und jenes. Da ich auf dieses Spiel nach über einer Stunde keine Lust mehr habe, wird gerade wütend aus dem Kinderzimmer gebrüllt. Ich habe ihm jetzt seinen Anschrei/Anbettel-Gesprächspartner entzogen, sprich: ich liege im Bett und versuche mich aufs Programmieren zu konzentrieren. Klappt aber nicht. Während ich mir gefrustet die Zähne runtermahle, stellt Finnley fest, dass er seine Durchsetzungsgrenze erreicht hat, mit seinem Latein nicht mehr weiterkommt, ist dementsprechend sauer und tut das auch lautstark kund. Mir geht es ähnlich. Er ist müde und ich erst recht. Außerdem habe ich ein schlechtes Gewissen wegen dieses quasi Ferberns. Aber ich bin im Moment ausnahmsweise mal hilflos.
Klare Pattsituation.









Achjeh, Du Armer! Ich kann mir das lebhaft vorstellen (haben wir ja schließlich ein ganz ähnliches Exemplar hier zuhause. Also, irgendwie müsst Ihr die Situation de-eskalieren. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass solche Tipps wie "mach doch einfach x oder y, mein kleiner Z oder A ist dann ganz lieb" nichts helfen, weil Ihr ja nun einen Finnley habt und wir einen Christoph, und so gleich sind die ja doch nicht.
Immerhin sind aber beide wohl richtig schön im herrlichsten Trotzalter angekommen. Und da gehört sowas wohl dazu. Quasi eine Art Vorpubertät. Es ist - denke ich - wichtig, dass man in dieser Zeit den kleinen Wüterichen sehr klare Grenzen setzt, schon damit das eigene Nervenkostüm nicht gänzlich den Bach runter geht. Aber ich denke auch, dass es sehr wichtig ist, dass die Kinderlein auch dann und wann einen "Sieg" mit ihrem Trotz davon tragen. Und ich denke auch, dass es wichtig ist, wenn sie soooo gerne auch etwas entscheiden wollen, wenn sie sooo gerne bestimmen wollen, wie nun etwas läuft, dass man ihnen im kleinen Rahmen auch eine Art Entscheidungsfreiheit lässt. Christoph lässt sich zB nicht mehr irgendeinen Pulli anziehen, aber wenn ich ihn aussuchen lasse, dann dauert das morgendliche Anziehen drei Tage. Also lass ich ihn zwischen zwei Pullis entscheiden, und schon herrscht Frieden.
In einer Situation wie dieser lasse ich ihn schon eine Weile lang brüllen. Dann gehe ich hin und frage - durchaus nicht immer in freundlichem Tonfall, aber immer ruhig (auch wenn es mich noch so anstrengt) -, was genau denn nun los ist, was genau er denn nun möchte. Lass es also nun Auto A oder B sein. Dann sage ich ihm, immer noch sehr bestimmt, dass ich ihm nun Auto A oder B bringe, dass ich dann aber nichts mehr bringe, ob er wirklich Auto A oder B möchte. Ich zeige ihm meinen Zeigefinger und sage ihm, dass ich ihm nur noch _eine_ Sache bringe, mehr nicht.
Dann sucht Christoph sich aus, was ich ihm bringen soll, und danach ist es auch meistens gut.
Wenn nicht, dann - hm, dann bin ich auch mit meinem Latein am Ende und der A darf weitermachen
Lass Dich nicht unterkriegen
Ja, die Nummer mit „such dir aus, was du haben willst und dann ist Schluss“ hatte ich heute abend auch schon. Mindestens drei mal. Eben habe ich sein Bett von dem ganzen Spielzeugkrams befreit, ihn rausgenommen und solange im Arm gehalten, bis er sich ein wenig beruhigt hatte (sein Verlangen, das Kinderzimmer durch die Tür zu verlassen und Kekse zu bekommen habe ich einfach mal ignoriert). Aus dem Regal durfte er sich eine kleine Truhe mit Krimskrams drin aussuchen. Dann ging es unter Protest wieder ins Bett. Jetzt klötert es schon geraume Zeit aus dem Kinderzimmer. Kann der endlich mal schlafen, bitte?
Ohjeh! Dass der kleine Kerl aber auch immer so ein Durchhaltevermögen hat ... Bei uns geht es derzeit eher um so Dinge wie "Nein, ich will morgens nicht in den Kindergarten." Das wird begleitet von lautem Gebrüll, Aufdenbodenschmeißen, Kopfirgendwogegenhauen, Stampfen, ach ja und lautem Gebrüll. Nachmittags natürlich ist es dann eher "Nein, ich will aus dem Kindergarten nicht nach Hause!" Ich muss vermutlich nicht schreiben, womit das begleitet wird. Abends kommt dann das "Ich will nicht in die Wanne vor dem Schlafengehen!" Begleitet von ... rate mal! Dann kommt selbstverständlich: "Nein, aus der Wanne will ich nicht aussteigen..."
Uff! Ich nehme an, das ist mit zehn Jahren irgendwann vorbei :-/
Die Zeit die ich gestern im Nähkurs verprasst habe, hätte ich mal besser zu Hause bleiben sollen. Nach meinem typischen von-Sonntag-auf-Montag-kann-ich-nur-4-Stunden-schlafen-Schlaf habe ich nichts voreinander bekommmen. Eigentlich hätte die Jacke endlich