Sonntag, 29.10.2006, 23:55
Finnley ist 6 Tage, 13 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Eine schwere Geburt (für einen Mann)
Als der vom Arzt berechnete Stichtag näher rückte, war ich innerlich ziemlich gut auf Yvonnes Entbindung vorbereitet. Heute ist es ja nicht nur üblich, dass der werdende Vater bei der Geburt dabei ist, nein, es wird sogar erwartet. Ich war mir selbst gar nicht so darüber klar, ob ich es wollte, ich habe mir die Frage gar nicht erst gestellt. Ich würde einfach dabei sein. Punkt.
Je weiter der Stichtag jedoch überschritten war, desto mehr vergaß ich, dass Yvonne überhaupt schwanger war. Sie wurde wieder aktiver, wir haben Sachen eingekauft, die man nicht braucht (herrlich…), wir haben abends vor einem lodernden Ofen mit einem Glas Rotwein gesessen, es war eigentlich alles wie früher. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das Kind würde für ewig in diesem Zustand verharren.
Nachdem Yvonne durch Rizinus-Einfluss die ersten Wehen bekommen hatte, habe ich mich erneut darauf vorbereitet, dass es nun losgehen würde. Nix da. Angeschissen. Inzwischen war meine Psyche davon überzeugt, dass ich meine mentalen Vorbereitungen getrost in die Tonne treten konnte. Lohnt ja eh nicht. Es ist schwer zu sagen woher ich die Ruhe nahm, als Yvonne mich am 23.10.2006 um kurz nach 4 Uhr morgens weckte. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus der guten Vorbereitung durch unsere Geburtsvorbereitungskurse und dem Gefühl, sich nicht weiter verarschen zu lassen.
Sonntag, 29.10.2006, 22:33
Finnley ist 6 Tage, 11 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Zu Hause
Donnerstag war es soweit: Ab nach Hause! Ich bin freiwillig einen Tag länger als bis zur U2 geblieben, da Finnley und ich unterschiedlicher Meinung waren, was das Stillen angeht. Er fand es noch fast amüsant drei Stunden lang den Schnabel aufzureißen um sich effektiv 15 Minuten andocken zu lassen und an der Milchbar zu bedienen. Ich war nahe am Nervenzusammenbruch. Also entschied ich mich für einen Tag Verlängerung im Krankenhaus. Die Betreuung im Albertinenkrankenhaus hat mir diese Entscheidung ausserdem recht leicht gemacht!
An dieser Stelle möchte ich mich auch gleich bei vielen fantastischen Mitarbeiterinnen des Albertinenkrankenhauses bedanken:
- Mechtild, unserer Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs, die uns mit viel Sinn für Humor etwas Angst genommen und auf die Geburt vorbereitet hat.
- Frau Fox, Kinderkrankenschwester, die uns im Säuglingspflegekurs gezeigt hat, dass die Lütten nicht aus Porzellan sind und wie man mit ihnen umgeht.
- Frau Dr. Pörksen und Frau Dr. Schinker, die beide nicht bereit waren die Geburt einzuleiten, auch wenn mein Frauenarzt es empfahl.
- Karoline, unserer Hebamme bei der Ankunft, die uns herzlich aufnahm und mir gleich das Gefühl gab, hier richtig zu sein.
- Kerstin, unserer Hebamme, die uns bis nach der Geburt betreute und immer genau wußte, was das beste für mich war.
- Noch mal Frau Dr. Schinker, die mich bei der Geburt betreute und immer einen genauen Blick auf Finnleys Zustand hatte, uns dabei aber freundlich und ruhig jeden Schritt erklärte (was ungemein beruhigt in so einer Ausnahmesituation wie einer Geburt).
- Dem gesamten Team der Station B1, das ausserordentlich fürsorglich und freundlich ist. Und allen Mädels, die mich geduldig bei der Still-Arie unterstützten und auch beim 10. Mal klingeln die Nerven behielten und mir halfen.
Aber auch wenn's noch so schön war: In der eigenen Behausung ist's doch am schönsten! Und so kam es, dass wir Donnerstag nachmittag zum ersten Mal als kleine Familie nach Hause kamen. Ein tolles Gefühl!
Freitag, 27.10.2006, 21:56
Finnley ist 4 Tage, 11 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Die Geburt!
Es war die Hölle! Da gibt's auch echt nichts schön zu reden. Offensichtlich gehöre ich nicht zu den Frauen, die hinterher mit dem großen Vergessen belohnt werden und meinen, die Geburt sei ja gar nicht so schlimm gewesen. Vorsichtshalber hatte ich Michael gebeten, meinen genauen Wortlaut unmittelbar nach der Geburt fest zu halten. Brauchte er nicht. Ich habe nichts gesagt.
Als wir Sonntag Nacht schlafen gingen kamen die Wehen im Viertelstundentakt. Ich stellte mir natürlich die ultimative Frage: Spaßwehen oder wurde es nun ernst? Ich stand auf und hockte mich erst mal vor den Fernseher. An Schlafen war sowieso nicht zu denken. Während ich lustig eine nach der anderen Wehe veratmete, sah ich mir den Schluss von „Die alte Jungfer” mit Bette Davis an (ein toller Film!). Danach, also so um 3 Uhr waren die Wehen schon bei 3-4 Minuten. Da ich auf gar keinen Fall zu den Kandidatinnen gehören wollte, die im Krankenhaus zwölf Stunden Treppen rennen müssen, um jeden Millimeter des Muttermundes mit sportlichem Engagement zu öffnen, ging ich in die Badewanne. Alter Trick: Spaßwehen verschwinden in der Wanne, richtige Wehen nicht. Sie verschwanden nicht. Ich zögerte trotzdem erst noch, weckte aber Michael dann doch. Der sprang gleich in seine Klamotten. Ich sagte nur: „Locker bleiben. So schnell geht's nicht!” Da ging er sich erstmal rasieren. Die Wellnessnummer eben!
Um 4:30 Uhr fuhren wir ins Krankenhaus. Wir wurden von der Hebamme Karoline herzlich in Empfang genommen. Erstmal ans CTG: Dem Kleinen geht es gut und Muddi HAT Wehen. Wow! Die Untersuchung ergab: 5 cm Muttermund offen. Cool! Und keiner wird mich mehr nach Hause schicken oder Treppen laufen lassen! Da wir die Einzigen waren in der Nacht, durften wir uns den Kreissaal aussuchen. Ich wollte den mit der großen Wanne! Mein Traum: Schön beim Baden mal eben das Kind rauslassen!
Um 6 Uhr war Schichtwechsel bei den Hebammen. Unser Kreissaal war vorbereitet und Michael holte erstmal unsere Schateken aus dem Auto. Unsere Hebamme für die kommenden Stunden war Kerstin. Ich war hundemüde. Am liebsten hätte ich die Wehen mal eben abgestellt und eine Runde gepennt. Kerstin fragte, wonach mir jetzt sei. Ich wußte es nicht (na ja, ausser pennen...). Die Wehen überrollten mich und zerrten an meinen Kräften. Entspannungsbad? fragte Kerstin. Au ja! Das 3. Wannenbad in 6 Stunden und das in der Riesenwanne! Kann aber sein, dass ich dann noch fertiger bin, warnte sie mich. Während ich mich im warmen Wasser versuchte zu entspannen, wurde mir versucht ein Kanüle in die Hand zu rammen. Nach viel Zeit mäßig erfolgreich, aber es reichte. Kerstin hatte recht! Ich hockte in der Wanne und war nur noch fertig!
Dienstag, 24.10.2006, 23:05
Finnley ist 1 Tag, 12 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Tiefschlaf - Ganz der Vater
Viel mehr als das sehe ich von Finnley im Moment nicht. Er schläft fast permanent. Nur letze Nacht (das war ja erst die erste Nacht seines Lebens in Freiheit!) hat er Yvonne etwas vollgeplärrt. Als ich die beiden vorhin besucht habe, war er mal kurz wach und hat die Chance gleich genutzt, um seine Umgebung mit seinen Augen zu scannen. Trinken klappt noch nicht so gut, das muss er noch lernen.
Wenn morgen bei der U2 (die Untersuchung, nicht die Band) alles ok ist, kommen Yvonne und Finnley nach hause. Endlich…
Dienstag, 24.10.2006, 22:48
Finnley ist 1 Tag, 12 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Dienstag, 24.10.2006, 21:02
Finnley ist 1 Tag, 10 Stunden alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Tolle Nachbarn
Da kommt man spätabends und nichts ahnend nach hause und dann das: Unsere netten Nachbarn haben uns einen tollen Empfang bereitet. Da ist mir doch glatt die Spucke weggeblieben. Yvonne fällt wahrscheinlich hinten rüber, wenn Sie morgen (hoffentlich) nach hause kommt. Schön, dass sich andere so für einen mitfreuen können!
Dienstag, 24.10.2006, 01:19
Finnley ist 14 Stunden, 45 Minuten alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Kommunikationsprobleme
Sehr schöner Beitrag von Johnny Haeusler vom Spreeblick, der uns unsere baldige Zukunft unbarmherzig vor Augen hält:
Leserinnen und Leser, die bisher kinderlos sind, können keinen Schimmer von den Kommunikationsproblemen haben, zu denen es zwischen erwachsenen und zweieinhalbjährigen Menschen kommen kann. Wird die ohnehin etwas indifferenzierte Aussprache des Heranwachsenden zusätzlich noch durch die konstante Verstopfung seines Sprachorgans durch einen Schnuller verschlechtert, können aus nichtigen Miss-Verständnissen schnell Familiendramen werden.
„Will Nüsse.“
Zwei gut gelaunte und wunderschöne Kinderaugen sehen über einem orange-grünen Schnuller zu mir herauf. Klarer Fall. Der Jüngste hat den kleinen Hunger zwischendurch. Jetzt heißt es: Schnell handeln.
Mit der Geschwindigkeit und Geschicklichkeit, die nur Väter hungriger Kinder beherrschen, taste ich mit meinen Augen den Raum nach der Nuss-Vorratsbox ab und präsentiere dem Zweitgeborenen binnen weniger Sekunden eine erlesene Auswahl feinster Hülsenfrüchte.
Eine sehr junge Stirn zeigt sehr bedrohliche Falten.
„Will NÜSSE!“
Trotz und ob der Gewissheit, dass der Verlauf der nächsten Minuten einzig und allein von meiner nächsten Reaktion abhängt, spare ich mir den sonst an dieser Stelle fälligen Hinweis „Ich möchte!“ und begehe einen eklatanten Vaterfehler: Ich zögere…
Der vollständige Text ist beim Spreeblick zu finden.
Montag, 23.10.2006, 12:23
Finnley ist 1 Stunde, 49 Minuten alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Montag, 23.10.2006, 12:16
Finnley ist 1 Stunde, 42 Minuten alt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Das ist Finnley!
Der kleine Racker hat endlich das Licht der Welt erblickt:
4,1 kg,
55 cm,
Geburtszeit: 10:34 Uhr
Stellenweise war die Geburt nicht ganz so problemlos, aber zum Schluss ging dann doch alles recht schnell. Yvonne geht es gut, Finnley geht es gut und ich bin ziemlich fertig. (Yvonne verständlicherweise auch…)
Montag, 23.10.2006, 04:12
6 Stunden, 22 Minuten bis zu Finnleys Geburt
4 Jahre, 10 Monate bis zu Jaspers Geburt
Geht's nun los?
Die Wehen haben inzwischen beeindruckend kurze Abstände. Und Yvonne redet weniger als sonst. Wir fahren jetzt mal lieber ins Krankenhaus. Mal sehen, ob sie uns wieder nach hause schicken…
















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