Mittwoch, 16.01.2008, 12:33
Finnley ist 1 Jahr, 2 Monate alt
3 Jahre, 8 Monate bis zu Jaspers Geburt
Operation „Großer Onkel“
Die Nacht vor dem großen Tag war kurz, sehr kurz. Finnley ist um 1:30 Uhr eingeschlafen, ich um 4 Uhr und Michael irgendwo dazwischen. Um 4:40 krähte es kurz aus dem Kinderzimmer. Zum Glück nur ein Fehlalarm, wobei wir um 5 Uhr sowieso aufstehen mussten. Als ich Finnley um halb sechs in seine Jacke plünnte und ihm die Mütze aufsetzte, schlief er einfach tief und fest weiter. Das „Zauberpflaster” auf seiner linken Hand war zwar unnötig, wie sich später herausstellte, aber es hielt. Um Punkt 7 Uhr standen wir am Empfang des Krankenhauses, wo bereits ein junges Mädchen mit verdächtigem Pflaster auf dem Handrücken nebst der dazugehörigen Mutter warteten. Die Dame hinter der Theke mühte sich extrem genervt mit einem Druckerproblem ab und erinnerte mich spontan an eine Sekretärin unserer Firma (Eingeweihte wissen sicher sofort, wen ich meine...).
Wir wurden in den 3. Stock zur Station 8 geschickt, wo wir im Schwesternzimmer gleich eine Krankenschwester zugewiesen bekamen. Glücklicherweise konnten wir gleich in das Zimmer, welches Finnley und ich die nächsten Tage bewohnen sollten. Ein Einzelzimmer, Jippieh! Ich freute mich sehr für alle anderen Insassen Patienten, denn Finnleys Schlafverhalten kann man wirklich keinem zumuten, vor allem keinem, der hier wieder gesund werden soll. Wie soll das ohne Schlaf gehen?
Finnley, inzwischen einigermaßen wach, bekam seinen Scheiß-egal-Saft und grinste vor sich hin. Er bekam einen OP-Kittel, Model schön bunt und hinten offen, angezogen und wurde in eine Decke gemummelt. Aus der guckte nun nur noch das kleine grinsende Gesicht heraus. Was hätte ich darum gegeben, an dem Saft wenigstens mal nippen zu dürfen... Kurz darauf war es dann auch schon soweit. Mittlerweile war es fast acht und wir durften den kleinen Kaiser bis zum Fahrstuhl zum Schafott OP begleiten. Ich hatte mir so fest vorgenommen locker zu bleiben, um den kleinen Kerl nicht zu verunsichern, aber leider liefen hier nun doch ein paar Muttitränen. Finnley grinste mich teilnahmslos an und ich hatte schon gleich kein schlechtes Gewissen mehr. Die Fahrstuhltür schloß sich hinter unserem Sohn und nun standen Michael und ich etwas bedröppelt auf dem Flur.
Zwei bis drei Stunden sollten wir nun überbrücken. In meiner Birne schallte ein lautes KAFFEE, WO GIBTS HIER KAFFEE?! Also bewegten wir uns erstmal zur Cafeteria und frühstückten. Da wir Glücklichen ja bereits das Zimmer hatten, holten wir das Auto mitsamt Gepäck zum Eingang und brachten dann die Sachen rauf. Während Michael das Auto zurück brachte, richtete ich uns das Zimmer ein. Alles in allem waren auf einmal schon 1,5 Stunden um. Und dann kam Polly! Michael hat als weltbester Wartezeit-Manager, sein MacBook und diese wunderbar seichte Komödie eingepackt. Nach einer Stunde kurzweiliger Unterhaltung, der Film war noch nicht einmal zu Ende, stand plötzlich eine Krankenschwester im Zimmer. Wir könnten jetzt in den Aufwachraum. Alles sei bestens verlaufen und Finnley kurz vor dem Aufwachen.
Wir folgten der Krankenschwester zum Aufzug und bei mir kullerten schon wieder die Tränen der Erleichterung, Übermüdung und überhaupt. Mit uns in Richtung OP fuhr ein kleines Mädchen, das dieselbe Operation vor sich hatte, nur dass Ihr großer Onkel in Richtung der anderen Zehen wuchs. Die Wirkung des Scheiß-egal-Saftes war bei Ihr soweit fortgeschritten, dass sie einen schwarz-weißen Fisch, der an die Fahrstuhldecke gemalt war als Nemo identifizierte. Wen interessieren schon Farben, wenn einem sowieso alles wurscht ist? Im Aufwachraum erwartete uns ein tief schlafender Finnley, der mit seinem offenen Mündchen tief die Luft einsog und mit seiner Braunüle im Kopf etwas ausserirdisch aussah. Das Zauberpflaster (betäubt die Haut) hätten wir ihm besser auf die Birne geklebt, denn an der linken Hand war wohl keine Vene zu finden. Wir setzten uns neben ihn und warteten, dass der kleine Kaiser uns wieder angrinst. Es war halb elf.
Kurze Zeit später schaute noch einmal der Chefarzt vorbei, der Finnley auch operiert hatte. Ohne die Kompentenz der anderen Ärzte in Frage stellen zu wollen, erleichterte mich das ungemein, dass er die Operation vorgenommen hatte. Er erklärte uns noch einmal kurz den Eingriff und bestätigte uns, dass alles prima verlaufen sei. Um zehn vor zwölf schaute uns ein leicht betrunken wirkendes Kind an und schien noch nicht richtig zu wissen, wo es ist, wer es ist und vor allem wer wir sind. Macht nix, Zeit zum Aufstieg! Den Sensor des Pulsmessgerätes fummelte er sich in seinem Halbdelirium schnell selbst vom Finger und schon ging es los in die 3. Etage auf Station 8.
Immer noch leicht in einer anderen Welt und immer noch im OP-Kleidchen hielten wir Finnley in ein Kissen gewickelt im Arm. Die Krankenschwester kümmerte sich derweil um den Pulsmesser, der diesmal vorsichtshalber am Fuß befestigt wurde. Der kleine Kaiser schlummerte derweil schon wieder weg. Als wir ihn dann endlich umgeplünnt hatten, konnte er in seinem Bettchen weiter seinen Rausch ausschlafen und wir guckten noch etwas Polly. Ganz bis zum Schluss schafften wir es aber wieder nicht, denn da war Finnley schon wieder wach.
Offensichtlich hatte er einen Riesendurst, denn die angebotene Flasche mit Latexsauger wurde nicht mal skeptisch betrachtet, sondern gleich halb ausgesaugt. Gut so, denn selber trinken ist der Weg in ein braunülefreies Leben! Kurze Zeit später wurde Finnley dann wieder recht ungehalten. Diesmal war es wohl Hunger. So schnell habe ich noch nie etwas in seinem Schlund verschwinden sehen. Drei Butterkekse fanden in Windseile den Weg in den kaiserlichen Magen. Leider war das essenstechnisch vorerst das einzige Erfolgserlebnis, das ich zu verzeichnen hatte.
Michael besorgte uns etwas zum Runterwürgen zu Essen aus der Kantine Cafeteria. Mit einem Wort: Unterirdisch! Da Michael versuchte Finnley zu beruhigen, durfte er seinen Fraß sein Essen auch noch kalt genießen *börks*. Gegen Nachmittag fuhr Michael dann nach Hause und ich nutzte Finnleys Mittagsschlaf um mich ebenfalls etwas abzulegen. Nach seiner Mittagsruhe konnte sich der kleine Kaiser über die tolle Luftballonhülle von Tanja (vielen Dank liebe Tanja!) und über den neuen Playmo-Lastwagen von uns freuen. Und darüber, dass er die Visite verschlafen hat und viele Kräfte für die Nacht sammeln durfte...











Hach, da bin ich ja froh, dass alles gut geklappt hat. Jetzt kommt Ihr ganz bald nach Hause, und dann wird alles gut
) Das Zimmer scheint für ein Krankenhauszimmer ja auch ganz gemütlich zu sein, wenn es da sogar ein Holzbett gibt.
Na das klingt doch ganz gut. Ihr schafft das schon!
GUTE BESSERUNG!!!
Das hört sich (trotz der Muttitränen) doch relativ gelassen an. Ich will auch so ein Pflaster beim Blutabnehmen und so einen Saft – täglich...
Liebe Grüße an Euch!
Schön, dass alles sooo reibungslos verlief!
Gute Besserung dem kleinen Mann!!
Und ja, als Mama fiebert man immer am meisten mit, ich habe auch auf dem Flur geheult, als ich mit anhören musste, wie Jen brüllte, als man ihr die Braunüle in der Hand legte
Das klingt ja großartig! Klasse Foto mit den beiden Füßen! Ich mußte mir schon beim Lesen die Tränchen verkneifen, so ergriffen und angespannt war ich beim lesen! Gute Besserung!
Ach das scheiß-egal-Gesicht ist ja wirklich zum Knutschen
Aber jetzt sitze ich hier schon wieder rum und heule. Kann ich mich doch noch sehr gut an Pauls Nacht im Krankenhaus erinnern. Aber es beruhigt, dass alles gut verlaufen ist und verläuft und wir hoffen, dass ihr bald wieder da seid!
das liest sich alles in allem doch sehr gut.
aber diese braunüle da, ich glaub ich wäre umgefallen, wenn ich die gesehen hätte....
ihr seid soooo tapfer!!!!
Oh man, echt schön dass alles so gut verlief.
Und wenn ich die Bilder sehe, könnte ich ihn ja nur drücken.
Ist bestimmt nicht leicht, wenn das eigene Kind ins KH muss.
LG
Na da ist doch alle gut gelaufen ;O). Was mich etwas verwundert ist, das der kleine Kaiser so kurz nach dem Aufwachen schon essen und trinken durfte ? Moritz durfte nicht...hatte was mit der Narkose zu tun....nicht das er sich übergibt.
Auf alle Fälle, toi, toi, toi, das ihr bald wieder nach Hause kommt.
Schön, dass alles so gut verlaufen ist! Ich freu mich so mit euch!
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Nach der OP von Finnleys großen, rechten Zehs müssen wir immer mal wieder zur Kontrolle. Da wird dann geröntgt und geguckt und gefragt, ob die Schuhe problemlos passen würden. Das letzte Mal waren wir vor gut zweieinhalb Jahren dort. Jedes Mal ist es für